Die Erlösbasis eines Krankenhauses entsteht nicht in der Budgetverhandlung. Sie entsteht jeden Tag: bei der Aufnahme, in der ärztlichen Dokumentation, bei der Kodierung und bei der Prüfung jeder Rechnung. Häuser, die ihr Leistungsspektrum, ihre Dokumentation und ihre Abrechnungsqualität jetzt in den Griff bekommen, sichern ihre Erlöse für die nächsten Jahre. Wer abwartet, verliert Geld durch Rechnungskürzungen, Rückforderungen und ein Leistungsportfolio, das nicht zu den eigenen Strukturen passt.
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Wo Krankenhäuser heute Erlöse verlieren
Die Verluste entstehen selten an einer einzigen Stelle. Meist summieren sich viele kleine Lücken:
- Leistungen ohne gesicherte Grundlage. Leistungsgruppen sind die Voraussetzung für die Abrechnung. Wenn Strukturkriterien nicht lückenlos belegt sind, fehlt dem Haus die Grundlage für ganze Leistungsbereiche. Die aktuelle Zuweisungsrunde nach KHVVG und KHAG haben wir separat eingeordnet: KHVVG und KHAG: die Krankenhausreform nach der Reform.
- Schwache Abrechnungsqualität. Jede beanstandete Rechnung kostet doppelt: durch die Kürzung selbst und durch eine höhere Prüfquote. Ab 2027 gilt: Wer mindestens 80 % unbeanstandete Rechnungen erreicht, wird mit 5 % geprüft. Bei 65–80 % sind es 20 %, unter 65 % sind es 40 %. Eine Modellrechnung für ein Haus mit 36.000 Fällen und einer Quote von 60 % kommt auf rund 8,2 Mio. Euro zusätzliche Rückzahlungen pro Jahr (KU Gesundheitsmanagement). Die volle Staffel und den Zeitplan haben wir hier zusammengefasst: MD-Prüfquoten ab 2027.
- Lücken in der Dokumentation. Wenn Aufnahmegrund, Verweildauer und Nebendiagnosen nicht sauber belegt sind, führt das zu Fehlbelegungsvorwürfen und Abschlägen. Weil die heutigen Fallzahlen und die Fallschwere die Datenbasis künftiger Budgets bilden, wirken Fehlkodierungen doppelt.
- Kurzlieger im falschen Setting. Fälle mit bis zu zwei Belegungstagen werden über die Hybrid-DRG niedriger vergütet. Mit schlanken Prozessen bleiben sie trotzdem wirtschaftlich. Mit stationären Strukturen werden sie zum Verlustgeschäft.
- Pflegekosten ohne Absicherung. Wenn Pflegekosten unvollständig dokumentiert oder falsch zugeordnet sind, schwächt das die Verhandlungsbasis für die Folgejahre.
- Wiederaufnahmen. Ab 2028 werden Wiederaufnahmen mit derselben Hauptdiagnose innerhalb von 30 Tagen zu einem Fall zusammengeführt. Das trifft Häuser mit hoher Wiederkehrerquote.
Was Krankenhäuser jetzt tun sollten
Es gibt sieben Hebel, sortiert nach Dringlichkeit. Die ersten drei gehören noch in dieses Quartal.
| # | Handlungsfeld | Konkret jetzt tun | Bis wann |
|---|---|---|---|
| 1 | Leistungsgruppen sichern | Strukturkriterien je Leistungsgruppe lückenlos belegen (Fachärzte in VK à 38,5 h, Geräte, Kooperationen); MD-Prüfunterlagen nach LOPS-RL 2026 vollständig halten; Ausnahmen und Kooperationen aktiv mit Land und Kassen verhandeln | bis 31.12.2026 |
| 2 | Abrechnungsqualität auf über 80 % bringen | Unbeanstandet-Quote je Fachabteilung messen; die häufigsten Prüfanlässe (primäre Fehlbelegung, Verweildauer, Nebendiagnosen) gezielt abstellen; Pre-Check vor dem Rechnungsversand einführen | bis Q4 2026 |
| 3 | Dokumentation und Kodierung schärfen | Fallbegleitend kodieren statt nachkodieren; ärztliche Dokumentation von Aufnahmegrund und Verweildauer stärken; KI-gestützte Kodierprüfung einsetzen | sofort, laufend |
| 4 | Leistungsportfolio strategisch planen | Deckungsbeiträge je Leistungsgruppe rechnen; Mindestmengen und Fallzahlen realistisch prüfen; unwirtschaftliche Gruppen abgeben; Kooperationen (2.000-Meter-Regel) nutzen | Budgetplanung 2027 |
| 5 | Hybrid-DRG und Ambulantisierung nutzen | Kurzlieger bis zwei Tage identifizieren; Prozesse für tagesgleiche Versorgung aufbauen; Hybrid-DRG sauber abgrenzen und Zusatzentgelt-Fälle ausnehmen | 2026/2027 |
| 6 | Pflegebudget absichern | Pflegekosten 2026 vollständig dokumentieren; Stellenzuordnung „Pflege am Bett“ klären; Szenarien für die Folgejahre rechnen | Budgetverhandlung 2027 |
| 7 | Budget- und Fördermittel ausschöpfen | Landesbasisfallwert korrekt einpreisen; Rechnungszuschläge vollständig abrechnen; verfügbare Fördermittel für Umstrukturierung beantragen | laufend |
Erlössicherung braucht Steuerung
Das Medizincontrolling kann Erlössicherung nicht allein leisten. Nötig ist ein Steuerungsteam aus Geschäftsführung, Medizincontrolling, Chefärzten und Finanzen. Es trifft sich regelmäßig und arbeitet mit festen Kennzahlen, die monatlich je Fachabteilung ausgewertet werden:
- Unbeanstandet-Quote
- Case-Mix-Index (CMI)
- Verweildauer im Verhältnis zur mittleren Verweildauer
- Kodierlaufzeit bis zur Rechnungsstellung
- Erfüllungsgrad der Leistungsgruppen-Kriterien
- Wiederaufnahmequote
Erst wenn diese Kennzahlen transparent sind, lassen sich Abweichungen früh erkennen und gezielt korrigieren. Dann muss das Haus nicht erst reagieren, wenn der Prüfbescheid kommt.
Fazit
Die Erlöse der kommenden Jahre werden jetzt festgelegt. Krankenhäuser, die ihre Leistungsgruppen absichern, die Abrechnungsqualität über 80 % heben und Dokumentation und Kodierung konsequent verbessern, schaffen sich eine belastbare Erlösbasis. Der Hebel liegt dabei vor allem im eigenen Haus: in sauberen Prozessen, klaren Verantwortlichkeiten und einer Steuerung, die Erlössicherung zur Aufgabe der Geschäftsführung macht.
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